Ich führe bald ein Jahr (wie schnell die Zeit doch vergeht!) eine Fernbeziehung mit dem wunderbarsten Menschen dieser Welt. In diesem Jahr habe ich viele positive und negative Erfahrungen gemacht. Zum einen was Beziehungen generell angeht und zum anderen wie anders Fernbeziehungen im Gegensatz zu „normalen“ Beziehungen sind.

Überall liest man nur Tipps dazu, wie man die Zeit ohne einander am besten überstehen kann, aber keiner schreibt über die Dinge, die in solch einer Beziehung sonst noch passieren. Einige Geheimnisse dazu möchte ich heute gerne lüften!

  1. Jedes Treffen fühlt sich an wie die Flitterwochen und eine Scheidung zusammen!

In einer Fernbeziehung fieberst du jedem Treffen entgegen. Wenn du nach einigen Wochen (bei manchen sogar Monaten!) deinen Herzensmenschen wieder in die Arme nehmen und küssen kannst, ist das die reinste Gefühlsexplosion. Dein Körper schüttet alle möglichen Hormone aus und du erlebst die nächsten gemeinsamen Tage wie in einem Rausch. Leider kommt nach jedem Treffen auch wieder der Abschied.

Man verabschiedet sich in der Gewissheit, dass in den nächsten Wochen wieder nur Skype-Dates, WhatsApp Nachrichten und Telefonate möglich sein werden, anstelle von den Dingen, die „normale“ Paare fast täglich tun können.  Und obwohl man sich natürlich liebt und weiß, dass man sich wiedersieht, fühlt sich dieser Abschied jedes Mal wie eine Art Trennung an. Ihr glaubt gar nicht wie oft ich davor war alles hinzuschmeißen und da zu bleiben. Und obwohl man sich auf jedes Treffen unfassbar freut, mutet man sich jedes Mal den reinsten Gefühlswahnsinn zu.

2. Du wirst „normale“ Paare anders sehen.

Kennt ihr diese Paare, die sich bei jeder Gelegenheit streiten? Die Paare, bei denen einer wegen jeder Kleinigkeit angepisst ist und die ganze Beziehung in Frage stellt? Die Paare, bei denen ein Partner sauer ist, wenn sie nicht das komplette Wochenende miteinander verbringen können?

Ich kenne solche Menschen definitiv und war in meiner letzten Beziehung auch schon selber in solch einer Position. Ich kann euch sagen: Ich werdet diese Menschen anders sehen!

Abgesehen davon, dass man sich in einer Fernbeziehung allein durch die Tatsache, dass man sich nicht so oft sieht, weniger streitet, lernt man den Partner außerdem ganz anders zu schätzen. Man bemüht sich von Anfang an, dass die Beziehung so gesund und stabil wie möglich ist, da die Distanz allein schon eine riesige Belastung darstellt. Wenn man dann Paare sieht, die sich (scheinbar) nicht (mehr) zu schätzen wissen und trotzdem jeden Tag sehen können, ist dies manchmal ziemlich hart. Man fragt sich warum diese (scheinbar) „unglücklichen“ Paare so viel Zeit miteinander verbringen können und du dich schon über eine Stunde mit deinem Partner freuen würdest.

3. Du wirst dir den gefürchteten Alltag wünschen!

Wovor fürchtet man sich normalerweise in einer Beziehung? Vor dem bösen, bösen Alltag, der alles kaputt macht. Nicht so in einer Fernbeziehung!

Normalerweise quetscht man alle Aktivitäten, die man als „normales“ Pärchen über einen Monat verteilt machen würde, in das Wochenende, an dem man sich sieht. Man geht ins Kino, in fancy Restaurants, macht Spaziergänge und und und. Das ist alles schön und toll, allerdings wünsche ich mir tatsächlich einen ganz normalen Alltag. Eine Situation, in der man nicht das Gefühl hat jede Sekunde miteinander „nutzen“ zu müssen – in welcher Form auch immer.

Ich denke, dass man sich in einer Fernbeziehung gute Ressourcen aneignet, um im späterem Zusammenleben gegen den bösen Alltagstrott angehen zu können. Jede Beziehung erfordert Arbeit, damit sie funktioniert. Und während viele „normale“ Pärchen im normalen Alltag kaum mit schwierigen Situationen in Kontakt kommen, müssen Paare in einer Fernbeziehung von Anfang an, an der Beziehung arbeiten, damit sie funktioniert.

Ich würde die Arbeit, die wir aufbringen, um das Problem mit der Distanz klein zu halten, viel lieber in die Arbeit gegen den Alltagstrott eintauschen, wenn das bedeutet jeden Tag mit meinem Herzensmensch verbringen zu können.

4. Fernbeziehungen sind verdammt teuer!

Die Distanz geht nicht nur auf das Gemüt, sondern auch auf den Geldbeutel. Fernbeziehungen sind teuer. Selbst wenn man sich die Zug-/Flugtickets teilt geht regelmäßig eine beträchtliche Summe für die gemeinsamen Treffen drauf. Lösungen gibt es dafür nicht wirklich. Angebote nutzen, BahnCard beantragen, sich Tickets/Geld schenken lassen und nach Möglichkeit Tage/Uhrzeiten auswählen, an denen die Tickets nicht so teuer sind wären die einzigen, die mir einfallen. Klingt doof, ist es auch!

5. Fernbeziehungen folgen ihren eigenen Regeln!

Vielleicht kennt ihr die typischen Phasen einer Beziehung? Zum Beispiel die kritische Phase nach ca. 1 Jahr,  wenn die große Verliebtheitsphase endet und sich viele trennen oder das „verflixte siebte Jahr“? Solche Regeln gelten in einer Fernbeziehung nicht. Sie folgt ihren eigenen Regeln. Allein den Partner mit all seinen Facetten kennen zu lernen dauert länger als in einer „normalen“ Beziehung und die Verliebheitsphase beginnt bei jedem Treffen neu. Es ist als würde man eine neue Art der Beziehung kennenlernen. Verabschiede dich am besten von allen Regeln, wirf dich ins Fernbeziehungs-Meer und lass dich von den Wellen tragen.

Seid ihr auch in einer Fernbeziehung und wollt eure Gedanken zu dem Thema loswerden? Dann lasst mir gern einen Kommentar da!

In Liebe

Lucie

8 comments on “Was dir niemand über Fernbeziehungen sagt!”

  1. Ja, meinen Freund und mich trennen ganze 500km und wir sehen uns alle 2 Wochen. Wir haben das Glück das er von Zuhause aus arbeiten kann sonst wäre diese Beziehung nicht möglich gewesen da es sich ja nicht lohnt alle zwei wochen für ein wochenende 1000km zu fahren..

  2. Toller Beitrag !:) Ich würde mich freuen noch mehr zu dem Thema in deinem Blog zu lesen, da ich dir sehr gerne zuhöre ( vorher auf Youtube ;)) oder jetzt eben das lese, was du zu sagen hast.
    Außerdem werde ich bald auch eine Fernbeziehung führen müssen, da mein Freund für sein Studium 700km weg zieht, das wird echt hart.
    Aber es ist immer schön zu hören wie gleichgesinnte mit etwas umgehen.
    Liebe Grüße und hab eine schöne Woche,
    Natalie !

  3. Sehr schöner Post. Bevor mein Freund in meiner Stadt zog und wir anschließend in unsere Unistadt zogen, haben wir auch etwa ein Jahr eine Fernbeziehung geführt.
    Das war teuer. Vorallem für Schüler. Was mich am meisten genervt hat, waren diese unverständnislosen Bekannten oder Klassenkameraden, die nicht verstehen konnten oder wollten wieso man eine Fernbeziehung führt. Irgendwann war ich es echt müde darauf zu antworten und habe nur noch gelächelt und geschwiegen.

  4. Hallo Lucie!
    Schön, dass du über dieses Thema schreibst – wobei es in Anbetracht der Tatsache, dass du davon selbst betroffen bist, eigentlich kein rigoroses Wunder ist, dass du dich damit auseinandersetzt und dir viele Gedanken dazu gemacht hast.

    Ende letzten Jahres habe ich einen ganz besonderen Menschen kennen gelernt. Seit März sind wir offiziell ein Paar und im April ist er für fast neun Monate in die USA geflogen.
    Durch deinen Blogeintrag sind mir viele Dinge aufgefallen, die wohl alle Menschen, die dazu gezwungen sind, eine Fernbeziehung zu führen, irgendwie gemeinsam haben. Und doch ist jede Beziehung für sich noch mal ganz anders zu beurteilen. Ich hätte mir nie im Leben zugetraut, dass ich imstande bin eine solche Beziehung zu führen. Und als dieser tolle Mensch dann vor mir stand, gab es überhaupt keine Argumente mehr dagegen.

    Unsere Beziehung besteht also zu 100% nur aus Skypen, Whats App-Nachrichten und so vielen Telefonaten wie nur möglich. Auf der einen Seite habe ich unglaublich viel über mich selbst gelernt, bin gewachsen und bei ihm ist es genauso. Und irgendwie ist da so ein Urvertrauen, das einfach da ist und auf das man in einer solchen Situation eigentlich nicht verzichtbar ist. Und das Tolle ist: Ich bin mir sicher, dass dieses Vertrauen nicht verschwindet, wenn er nach Deutschland zurückkehrt.

    Leider vergisst man manchmal nur zu gerne, wie stark man ist und wie gut das alles funktioniert, wie wichtig doch die Liebe ist und wie wenig neun Monate sind, gemessen an den vielen Jahren, die man als Paar im Leben noch miteinander verbringen möchte.

    Wie oft hat mich die Sehnsucht in meinen Launen niedergeschmettert, wie unnahbar war ich manchmal und bei den vielen Skeptikern, die sowieso von Beginn an derartige Beziehungen in Frage stellen – nie traut man sich wirklich irgendjemandem gegenüber seine Ängste, so unbegründet sie auch sein mögen, auszusprechen.

    Dadurch, dass ich mein Abitur dieses Jahr nachgeholt habe und auch aufgrund vieler weiterer Umstände, konnte ich ihn leider nicht besuchen. Die verbliebenen drei Monate fühlen sich eigentlich nach gar nichts an. Dieses Jahr hat mir erst richtig verdeutlicht, wie wenig Zeit wir eigentlich in unserem Leben haben, wie schnell sie vergeht, wenn man tolle Dinge erlebt und wie lange sie einem vorkommt, wenn man auf etwas wartet.

    Und eines vergesse ich sehr gern, wenn ich frisch Verliebte Paare sehe:

    Jede Beziehung ist, solange sie ein Paar glücklich macht, in ihrer Art und Weise richtig und absolut nicht vergleichbar mit anderen. Nur, weil du deinen Partner nicht so häufig siehst, wie es bei anderen Paaren der Fall ist, kennst du ihn nicht weniger. Du lernst ihn eben ganz anders kennen. Manchmal errätst du seine Gedanken, weil du ihn eben nicht immer dabei beobachten kannst, wie er aussieht, während ihr miteinander sprecht oder scherzt. Ich weiß bei vielen schriftlichen Nachrichten meines Freundes genau, wie seine Stimme klingt, ich habe sie genau im Ohr. Man wird für solche Kleinigkeiten total sensibilisiert. Das ist doch auch schon was. Fernbeziehungen bieten auch ganz andere, vielfältigere Möglichkeiten, deinem Partner eine Freude zu machen als es „normalen“ Paaren je in den Sinn käme. Und irgendwie ist so eine Zeit doch ganz aufregend und spannend.

    Ich sende dir liebe Grüße 🙂 Dein Blog sieht toll aus und bei Gelegenheit werde ich ihn weiter gründlich durchforsten.

    Lisa

    • Ich könnte fast ein bisschen weinen wegen deinem tollen Kommentar! Ich kann alles was du geschrieben hast unterschreiben. Auch ich hätte mir nie im Leben vorstellen können jemals eine Fernbeziehung führen zu können, aber wenn der richtige Mensch da ist, dann schafft man das. Man lernt in einer Fernbeziehung unglaublich viel und ich denke auch, dass sie eine wertvolle Erfahrung ist, auf die man im Laufe der Beziehung zurückgreifen kann.
      Danke für deine tollen Worte, du hast mir den Abend versüßt!
      Viele liebe Grüße zurück♥

  5. Ich kann jedem deiner Punkte absolut zustimmen. Mein Freund studiert seit einem Jahr. Zu dem Zeitpunkt waren wir berieits 1,5 Jahre zusammen und die Umstellung auf eine Fernbeziehung hat mir anfangs sehr viel Angst gemacht. Doch es klappt alles wunderbar! Dennoch kann ich dir nur zustimmen, dass ich mir wünsche, so schnell wie möglich meinen Alltag mit ihm teilen zu können. Da ich aber wegen meiner Studien- und Berufswahl nach dem Abitur noch ins Ausland möchte, wird sich das noch zwei Jahre hinziehen. Durch die Fernbeziehung habe ich aber das Gefühl, dass wir alles gemeinsam schaffen können, wenn wir es beide wollen. Ich habe dadurch bisher sehr viel lernen können und bin daran gewachsen, da ich meine Angst überwinden musste.

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