Ein Einblick in meine Geschichte

Als ich ungefähr 12 Jahre alt war fing ich an meine Beine zu hassen. Es passierte während der ersten Staffeln von Germanys Next Topmodel. Ich und meine Freundinnen haben die Sendung immer „nachgespielt“ und irgendwann kam die Frage auf, ob wir das Zeug zum Model hätten. Mir wurde gesagt, dass ich keine Modelfigur hätte, weil meine Beine zu dick sind. Ob es wirklich wortwörtlich so zu mir gesagt wurde, weiß ich nicht mehr. Es ist allerdings bis heute in mein Gedächtnis eingebrannt.

Danach hörte ich auf kurzen Hosen zu tragen, ins Schwimmbad zu gehen und fing an meine Beine bei jedem Blick in den Spiegel zu hassen. Ich schämte mich regelrecht für sie. Der Selbsthass stoppte nicht an diesem Körperteil und zog sich immer weiter bis zu meinem Herzen. Es ging zwar nicht so weit, dass ich anfing mich selbst zu verletzen oder eine Essstörung zu entwickeln, der Selbsthass war jedoch trotzdem tief in mir eingebrannt. Da ich seit meinen Kindertagen sowieso schon sehr zurückhaltend und unsicher war, könnt ihr euch vorstellen, dass dies keine gute Kombination darstellte.

Die Hoffnung

Ich denke so oder so ähnlich ging und geht es vielen. Häufig beginnt es in einem jungen Alter, weil irgendjemand irgendetwas zu einem gesagt hat. Fakt ist: Ja, sowas zu sagen ist nicht nett. Trotzdem kann man sich davon nicht sein Leben lang beeinflussen lassen.

Bei mir kam die Entscheidung dagegen anzugehen unbewusst. Ich hatte irgendwann die Schnauze voll bei 30 Grad mit langer Hose durch die Gegen zu laufen. Ich begab mich nach und nach aus meiner Comfort Zone (dt.: Komfort Zone; die „Gewohnheitszone“), fing an mich selber zu akzeptieren und gewann langsam Selbstvertrauen und baute mein Selbstwertgefühl auf.

Das ging natürlich nicht über Nacht, sondern nahm Jahre in Anspruch. Mit vielen Rückschlägen, vielen Tiefs und vielen Selbstzweifeln. Und natürlich bin ich auch jetzt nicht „geheilt“. Ich gehe einfach anders damit um. Weiß, dass Tiefs normal sind und dass sie auch irgendwann wieder vorbei sind. Ich schwimme auf der Welle, die sich das Leben nennt.

In den letzten Wochen habe ich meinen bisherigen Weg reflektiert und versucht zu analysieren, welche Strategien ich unbewusst angewandt habe, um mich aus diesem Selbsthass herauszuwinden. Und um diese philosophische Tat noch zu unterstreichen, habe ich doch tatsächlich eine Art Konzept entwickelt, um meine Gedanken zu verbildlichen.

Ich stelle stolz vor: Das Dreieck der Selbstliebe!

Das Dreieck der Selbstliebe!
Das Dreieck der Selbstliebe!

Ich persönlich finde es gut Grafiken zur Orientierung zu verwenden und hoffe es gefällt und hilft euch meine Gedanken zu verfolgen.

Das Konzept

Selbstliebe besteht aus mehreren Komponenten:

Das Fundament unseres Selbstliebe-Hauses stellt die Selbstakzeptanz dar. Du kannst dich selber akzeptieren, auch wenn du dich nicht liebst.

Ich selbst habe angefangen meine Beine im Spiegel einfach zu ignorieren und meine Gedanken stattdessen auf das gelenkt, was ich an mir mochte: meinen Bauch. Durch dieses Verhalten habe ich langsam mein Unterbewusstsein (unbewusst) umprogrammiert, mich auf die positiven Seiten meines Körpers zu konzentrieren und nicht auf die (vermeintlich) negativen. Autosuggestion wäre dazu wahrscheinlich der angemessenste psychologische Fachbegriff. Wenn man sich etwas oft genug sagt, dann glaubt man es irgendwann auch. Positives, sowie Negatives.

Unsere Basis stellt also dar, dass man anfängt sich selbst zu akzeptieren. Auch wenn man erstmal das Gefühl hat aufzugeben ist dieser Schritt enorm wichtig. Du bist nicht schlecht, nur weil du akzeptierst, dass deine Beine, deine Arme etc. einfach so aussehen, wie sie aussehen. Du musst sie nicht verändern. Du musst dich auch nicht für bestimmte Verhaltensweisen schämen. Das bist du. Akzeptiere dein Ich. Lasse für einen Moment zu, dass du so bist, wie du jetzt gerade bist. Ein Projekt, dass für immer „in Arbeit“ sein wird, so wie jeder andere Mensch auch. Egal wie perfekt jemand zu sein scheint: jeder Mensch hat seine Ecken, Kanten und Unsicherheiten!

Versuche, anstatt immer die „negativen“ Aspekte deiner Selbst zu kritisieren, dich auf die positiven Seiten zu fixieren und die anderen außer Acht zu lassen. Es ist sehr ungewohnt, aber wie so alles im Leben, wird auch dies irgendwann normal. Du wirst merken, dass die positiven Seiten anfangen mehr Raum in deinen Gedanken einzunehmen, als die negativen. Und Schritt für Schritt werden sie sich auch weniger wichtig anfühlen. Dies war mein Weg zur Selbstakzeptanz.

Wenn das Fundament steht kommen wir zu den Balken Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen. Diese beiden Komponenten gehen meiner Meinung nach Hand in Hand. Je öfter man aus seiner Comfort Zone austritt, desto mehr Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen kann man aufbauen.

Als ich meine Ausbildung zur Bürokauffrau angefangen hatte, war es mir ein Grauen Herausforderungen anzunehmen, Unbekanntes zu erforschen und Verantwortung zu übernehmen. Ich fühlte mich unfähig, nicht gut genug und unsicher. Das Gute an einer Ausbildung ist allerdings, dass man sich nicht davor drücken kann. Ich musste mit Menschen sprechen und telefonieren, die ich nicht kannte. Ich musste ständig neue Abteilungen durchlaufen und mich so mit unbekannten Sachen auseinandersetzen. Ich musste so viele Dinge tun, vor denen ich mich gefürchtet habe. Und so merkte ich nach und nach, dass es gar nicht so schlimm war, außerhalb meiner Comfort Zone zu sein. Dass ich aus Fehlern lernte. Dass ich gut mit Menschen umgehen kann. Dass ich sogar richtig gut in diesem Job war und viel Lob bekam. Ich begann auch in meinem Privatleben immer öfter auszubrechen und lud schließlich mein erstes Youtube Video hoch.

Macht also das was euch Angst macht. Euch wird nicht alles gelingen. Ihr werdet aber viel über euch selbst herausfinden. Was ihr mögt, was ich nicht mögt. Was ihr könnt, was ihr nicht könnt. Worin ihr Talent habt, worin ihr kein Talent habt. Ihr werdet anfangen euch selbst zu finden. Und zwischen diesem ganzen Gefühlswirrwarr baut ihr langsam Vertrauen euch selbst gegenüber auf und fangt an euren Wert zu erkennen. Man ist kein schlechter Mensch, weil man etwas bestimmtes nicht kann. Dafür ist man in etwas anderem begabt.

Euer Mathelehrer hat nicht Recht, wenn er euch sagt, dass aus euch nichts wird, nur weil ihr in Mathe keine guten Noten habt. Diese Note sagt nichts, aber auch wirklich rein gar nichts über euren Wert aus.

Ich bin mittlerweile an einem Punkt angelangt, an dem es mir fast Spaß macht über meine Comfort Zone hinauszugehen. Ich genieße den Nervenkitzel und nehme Niederlagen nicht so ernst wie früher. Verrückt, wenn ich das mit meinem früheren Ich vergleiche. Aber wenn ich das geschafft habe, dann schafft ihr das auch!

Das Ziel in meinem Konzept ist die Selbstliebe. Ich sträube mich davor es Ziel zu nennen. Selbstliebe ist kein Ziel das man erreicht und dann ist man angekommen. Es ist etwas für das man sich immer und immer wieder entscheiden muss. Es ist nur wichtig, dass man die vorherigen Schritte verinnerlicht hat, um bis zu diesem Status vordringen zu können. Nur wenn du dich selber akzeptierst, deinen Wert anerkennst und dir selbst vertraust, kannst du dich selber lieben. Sobald diese Pfeiler einknicken muss man sich erst wieder darum kümmern sie aufzubauen, bevor man sich um die Selbstliebe kümmern kann.

Selbstliebe besteht daraus, dass man für sein eigenes Wohlbefinden Verantwortung übernimmt, die innere kritische Stimme zum Schweigen bringt,  sein eigener bester Freund wird, die Verbindung zu seinem Inneren findet und noch so, so viel mehr.

Wie man seine Selbstliebe pflegt und wachsen lässt ist ein langes Thema, dem ich mich natürlich auch noch detailliert widmen möchte. Ich denke allerdings dieser Post ist nun schon lang genug und hat euch hoffentlich zum Nachdenken angeregt.

Ich freue mich sehr über Feedback (insbesondere zu meinem Versuch Philosophin zu sein, hihi) und wünsche euch einen wunderbaren Abend/Mittag/Morgen – wann auch immer ihr diesen Post lesen mögt!

In Liebe

Lucie

 

 

5 comments on “Selbstliebe | Mein Weg aus dem Selbsthass”

  1. Hallo Lucie,

    Seit einigen Jahren kenne ich das von der Hawaiianerin Morrnah Simeona entwickelte, moderne Ho’oponopono. Dies ist ein Verfahren, das aus 14-Schritten besteht, 30 Minuten in der Durchführung dauert und das alleine durchgeführt werden kann. Damit ist es möglich, sich aus Problemen, Konflikten und Blockaden aller Art zu befreien wie auch aus negativen, unglücklichen Lebensumständen und Situationen. Ziel dieses Verfahrens ist es, den Frieden und das Gleichgewicht in sich selbst, mit dem Umfeld, mit anderen Personen, mit der Natur, und mit dem Kosmos wiederherzustellen.

    Morrnah Simeona verbreitete ihr 14-Schritte Ho’oponopono-Verfahren auf der ganzen Welt und machte Ho’oponopono allen Menschen zugänglich. Dieses Ho’oponopono Verfahren ist ein Quantensprung im Bereich der Problemlösung. Du brauchst eine Situation oder die Ursachen Deiner Probleme nicht zu analysieren um sie lösen zu können oder um dich aus unglücklichen Umständen befreien zu können.

    Das Ho’oponopono von Morrnah Simeona kann Dir in vielen Bereichen des Lebens helfen. Ich persönlich, finde es ein gewaltiges Verfahren und ich kann es sehr empfehlen. Persönliche Probleme sind bei mir durch Anwendung dieses 14-Schritte Ho’oponoponos entschwunden. Hier kann man mehr über das Ho’oponopono von Morrnah Simeona und über typische Anwendungsmöglichkeiten erfahren- und wo es erlernt werden kann:

    https://peacejoyhappiness.wordpress.com/hooponopono-ein-verfahren-zur-problem-und-konfliktloesung

    Viele Grüsse und Aloha
    Patrice C.

  2. Hallo Lucie! 🙂
    Ich finde diesen Beitrag wirklich schön und mir hat er sehr gut getan! 🙂
    Ich verfolge deinen Block jetzt seit 2 Wochen ungefähr und ich finde ihn wirklich schön und die Themen „Selbstliebe“ aber auch die vielen anderen finde ich sehr anregend und immer wieder wohltuhend zu lesen! 🙂

    Liebe Grüße! 🙂
    Linda

  3. Ich mag die Mischung aus Theorie und deiner eigenen Erfahrung mit den Themen auf deinem Blog.
    Die Herausforderung der Selbstliebe gehe ich auch seit vergangenen Monat an. Ich werde im Oktober 25 und habe vor, den 5-Jahresplan auszuprobieren. Vielleicht kannst du ja auch mal ueber das „systematische“ Vorgehen berichten, was einem bzgl Selbstliebe, Glueck, Erfolg usw. behilflich sein kann? Und vielleicht waeren ja auch Podcasts eine Art „Ersatz“ fuer Youtube (empfinde deine Stimme naemlich als wahnsinnig entspannend).
    Liebe Grueße 🙂

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