Im Grunde richtet sich dieser Artikel an Menschen, die den Begriff Body Positivity und die damit im Zusammenhang stehende Selbstliebe nach unzähligen Kampagnen und Social Media Posts immer noch nicht verstanden haben.

Schauen wir uns mal die Urban Dictionary Definition von Body Positivity an:

Accepting your body as it is and attempting to make everyone else feel comfortable in their own skin as well.

Übersetzung:

Body Positivity bedeutet den eigenen Körper so zu akzeptieren, wie er ist und andere dazu zu ermutigen sich in ihrer eigenen Haut auch wohl zu fühlen.

Diese Definition beinhaltet keine Aussagen wie:

  • Körperteil A passt im Vergleich zum Rest ihres Körpers gar nicht dazu.
  • Wenn man übergewichtig ist und seinen Körper liebt ist das nicht gesund, weil derjenige dann nichts mehr ändert.
  • Die ist so dünn, dass es nicht mehr schön ist.
  • Eine Frau muss Kurven haben. / Ein Mann sollte Muskeln haben.
  • Ich würde mich so wie die aussieht ja nicht wohlfühlen.

Und so weiter und so weiter.

Wenn ich ganz ehrlich sein soll: Ich habe die Schnauze voll. Seitdem ich mich für Body Positivity einsetze erreichen mich neben tollen und dankbaren Nachrichten natürlich auch immer kritische Stimmen, die sich Sorgen über zu viel Selbstliebe machen.

Meiner Meinung nach hat jeder – J E D E R – Mensch, egal ob dick, dünn, mit vielen Muskeln, mit wenig Muskeln, weiß, schwarz, blond, rothaarig, mit großen oder kleinen Brüsten, Sixpack, Speckrollen oder 10 kg Schminke im Gesicht das Recht sich selbst zu lieben. Punkt. Kein aber und kein außer. Jeder.

Aussagen wie „Aber wenn jemand wirklich starkes Übergewicht hat, dann ist das sehr ungesund. Und wenn er sich und sein Übergewicht liebt, dann hat er weniger Anreiz etwas zu ändern.“ sind ignorant und kurzsichtig.

Im Internet ist vermehrt fat shaming an der Tagesordnung. Das Shaming geht aber noch weiter. Menschen, die von Natur aus sehr dünn sind und nicht zunehmen können (nicht, dass sie das müssten) werden weitläufig als magersüchtig abgestempelt und dürfen sich permanent Aussagen wie „Iss mal mehr!“, „Die hat ja gar keine Kurven.“ oder „Ich finde das ja nicht mehr schön.“ anhören. Menschen, die in irgendwelchen Merkmalen von der Norm abweichen, werden ständig darauf hingewiesen, dass sie anders sind, selbst wenn eine positive Formulierung drin steckt.

Unter meinen Food Diaries auf Youtube wird mir zuhauf mitgeteilt, dass mein Essverhalten von der Norm abweicht. Neben nett gemeinten Kommentaren wie „Ich finde es so toll, dass du dich nicht versteckst und mehr isst als andere.“, bekomme ich auch häufig die Frage wie ich es schaffe trotz meines Essverhaltens so schlank zu sein oder werde einfach direkt gefragt, wie oft ich Sport mache. Einfach gesagt: Mir wird suggeriert, dass irgendetwas nicht mit mir stimmt. Obwohl ich mittlerweile sehr stabil bin, was mein Selbstwertgefühl im Bezug auf meinen Körper angeht, habe ich irgendwann angefangen mich zu vergleichen und mein Essverhalten in Frage zu stellen. Und spätestens da wusste ich: Ich habe keine Lust mehr auf Food Diaries. Wenn es selbst positiv gemeinte Kommentare schaffen, mir ein schlechtes Gefühl zu geben, ist es Zeit mich davon zu distanzieren. Und das habe ich dann auch getan. Leider ist das nicht für jeden so einfach.

Was ich außerdem häufig bei mir und Anderen lese, sind Kommentare wie „Du bist so schön, obwohl xyz.“ Lasst uns das obwohl doch einfach aus unserem Wortschatz streichen. Lasst uns aufhören Menschen permanent zu vergleichen und sie darauf hinzuweisen, wenn sie von irgendetwas abweichen. Lasst uns Menschen als Individuum sehen.

Ich möchte niemandem etwas unterstellen, aber die Kritiker an Selbstliebe haben das Prinzip wahrscheinlich einfach noch nicht verstanden. Selbstliebe verherrlicht nichts und sie fördert auch kein krankhaftes Über- oder Untergewicht. Selbstliebe ermöglicht Menschen Zufriedenheit, Lebensqualität und Glück. Mit dem wichtigsten Menschen in ihrem Leben: sich selbst. Sie fördert schlicht und ergreifend den liebevollen Umgang mit sich selbst. Selbstliebe führt dazu, dass man sich um den eigenen Körper und die eigene Seele kümmern möchte. Dass man seinen Körper bewegen will, weil man dankbar für ihn ist und nicht, weil man den perfekten Bikini Körper für irgendwelche Instagrambilder erreichen will. Dass man gesund isst, weil man seinem Körper die nötigen Nährstoffe geben will und nicht um möglichst schnell möglichst viel abzunehmen. Und dass man auch anderen Menschen offen und wertschätzend entgegentritt.

Selbstliebe bringt einen aus einem Zustand des Mangels in einen Zustand der Fülle. Und wenn du das noch nicht verstanden hast, dann wird es Zeit sich damit zu beschäftigen. Man sollte zuerst seine eigenen Baustellen in Angriff nehmen, bevor man andere Menschen ganz offen kritisiert und ihnen ein schlechtes Gefühl sich selbst gegenüber gibt. Gesundheit beginnt im Kopf. Um gesunde Entscheidungen zu treffen muss der Kopf verstanden haben, dass man für den eigenen Körper arbeitet und nicht dagegen.

Ein perfekter Körper bringt dir rein gar nichts, wenn dein Herz in Bitterkeit ertrinkt.

In Liebe

Lucie

5 comments on “Von der Kunst den eigenen Körper zu lieben”

  1. Mensch du baust echt fleißig an deinem Blog! Das neue Design ist echt mega schön!

    Zu deinem POst muss ich sagen, dass er mich zum Nachdenken bringt. Manche Dinge kann man eben nicht ändern. Ich bin super schlank und nehme auch einfach nicht zu, egal was ich esse (ok nach 3 Tüten Chips kriege ich auch Bauchfett, aber du weißt worauf ich hinauswill). Schön, dass du über Irrtümer beim Thema Selbstliebe aufklärst und den Menschen helfen willst!

    Liebe Grüße,
    Alina von Selfboost

  2. Da kann ich dir nur zustimmen. Ich gehöre genau zu diesen Menschen, die eben sehr dünn sind und nicht zunehmen können. Ich habe das nie als etwas Schlechtes betrachtet, bis ich eben immer wieder Kommentare bekommen habe, wie du sie schon genannt hast. Plötzlich fühlte ich mich einfach nur viel zu dünn und nicht „weiblich“. Doch ich mag meinen Körper und daran ist nichts Verwerfliches, aber das wurde mir eben erst später klar.
    Liebe Grüße

  3. Liebe Lucie,

    danke für diesen Blogpost, das musste mal (wieder) gesagt werden!
    Ich frage mich, woher diese Oberflächlichkeit kommt und wieso automatisch nach dem ersten Eindruck geurteilt wird. Dass Menschen so ticken, liegt bestimmt nicht nur an den durch Medien vermittelten Idealen. Die Psychologie dahinter würde mich interessieren.. muss ich mal tiefergehend recherchieren. Hast du dich schonmal damit auseinander gesetzt, wieso Mensch so darauf anspringt und sein Denken so beeinflussen lässt?
    Vielleicht schreibe ich da auch mal etwas drüber, da gibt es ja weitaus mehr zu zu sagen 🙂

    Übrigens gefällt mir dein neues Blogdesign richtig gut!

    Liebe Grüße
    Maren

    • Ich glaube, dass da sehr viele unterbewusste Mechanismen eine Rolle spielen. Würde ich nun alle Vermutungen in diesen Kommentar packen, würde das den Rahmen sprengen, aber das hat sicherlich viel mit Anerkennung, Gruppenbildung und Sicherheit zu tun. Wenn man irgendwo dazugehört und anerkannt ist, dann ist man „sicher“. Dass nur so als Gedankenanstoß. Liebe Grüße zurück 🙂

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