Die letzten Monate waren für mich stressig, nervenaufreibend und eine große Umstellung. Ich bin nach meinem Abitur einmal durch ganz Deutschland zu meinem Freund gezogen (und führe nun seit fast zwei Monaten keine Fernbeziehung mehr – juhu!). So kam es, dass mein Juni voll von Wohnungssuche, Umzugsstress, Entlassungsfeiern und Arbeit war. Im Juli ging es mit Einrichtung, Organisation, Jobsuche, Unibewerbungen und Eingewöhnung weiter. Und der August beinhaltete bis jetzt viel Arbeit und Routinenfindung.

Kurz gesagt: In den letzten drei Monaten habe ich andere Dinge als Priorität gesehen und für Yoga keinen Platz eingeräumt. Natürlich habe ich hier und da mal eine kleine Übung eingebaut, jedoch habe ich es nie wirklich regelmäßig praktiziert. Und da das im letzten dreiviertel Jahr sonst ganz anders gelaufen ist und ich mindestens einmal die Woche ein Yogastudio von innen gesehen habe, merke ich einen deutlichen Unterschied. Genau darüber möchte ich berichten. Für die Yogainteressierten unter euch, die den nötigen Schubser brauchen, um endlich anzufangen und für die eingefleischten Yogis, die damit ihre Bestätigung bekommen, dass sie alles richtig machen.

  1. Meine Beinrückseiten sind wieder sehr verkürzt.

Etwas, das sich mit meiner regelmäßigen Yogapraxis deutlich gebessert hat sind meine Beinrückseiten. Die spürt man zum Beispiel, wenn man sich mit gerade ausgestreckten Beinen und geradem Rücken auf den Bogen setzt oder im Stehen seinen Oberkörper nach unten baumeln lässt und seine Zehen berührt (bzw. berühren will). Bei mir waren die Beinrückseiten so stark verkürzt, dass ich anfangs meine Beine nicht auf den Boden gedrückt halten konnte, da es so weh tat und ich noch nie in meinem Leben meine Zehen berühren konnte. Im Laufe der Monate wurde ich flexibler und konnte Übungen im Bezug darauf sehr gut mitmachen. Auch meine gelegentlichen Rückenprobleme wurden viel weniger und ich fühlte mich einfach generell mobiler. Wenn das irgendwie Sinn ergibt. Diese harte Arbeit hat sich nun leider verflüchtigt, die gelegentlichen Rückenschmerzen sind wieder da, ich fühle mich alt und steif und muss nun wieder von vorn anfangen. Hallo, Schmerzen!

  1. Ich verliere meine innere Mitte schneller.

Innere Mitte, Mojo oder auch innere Balance. Egal wie du es nennst, ich verliere es ohne Yoga schneller und brauche länger, um es wiederzufinden. Ohne meine innere Balance bin ich ehrlich gesagt ziemlich aufgeschmissen. Ich brauche sie um bewusste Entscheidungen zu treffen, glücklich und kreativ zu sein, Geduld zu haben und und und. Da mich die letzten Monate mental und körperlich sehr gefordert haben, habe ich meine Balance mal wieder verloren. Da das in den letzten Monaten gar kein Problem war und ich sie spätestens in meiner zweiten Yogastunde wiedergefunden habe, war ich dieses Mal ohne Yoga- und Meditationspraxis ziemlich aufgeschmissen. Ich habe nun fast 1,5 Monate gebraucht, um wieder im Einklang mit mir selbst zu sein. Ich bin in diesen 1,5 Monaten so viel verzweifelt, wie schon lang nicht mehr. Ich war unzufrieden, unsicher und orientierungslos. Und obwohl das nach so einem großen Schritt normal ist, habe ich einfach nicht wieder zu mir gefunden. Abgesehen davon, dass mich Yoga resistenter gegen äußere Einflüsse macht (weil ich eben mehr auf mich anstatt auf alles um mich herum fokussiert bin), ist es für mich eine Art Stopp Knopf. Ich kann runter kommen, das Gedankenkarussell stoppen und auf den Boden der Tatsachen zurück gelangen. Ich habe weniger Angst, bin optimistischer und allgemein einfach glücklicher. Kurz gesagt: Yoga tut nicht nur meinem Körper, sondern besonders auch meiner Seele gut.

3. Meine Nackenprobleme sind wieder da.

So wie ich hier schreibe sollte man denken ich wär eine alte Frau und keine knackige 23 Jahre alt. Aber wem will ich was vormachen. Ich glaube wir alle haben Nackenprobleme. Dadurch, dass viele Menschen fast den ganzen Tag vor einem PC verbringen oder auf ihr Handy schauen, verspannt sich unserer Nacken und wir verbringen unseren Alltag in einer verkrümmten Position, die mit einer aufrechten Haltung sehr wenig zu tun hat. Folgen davon sind Kopfschmerzen, Rückenschmerzen und Haltungsprobleme. In meinem alten Yogastudio wurde sehr viel Wert darauf gelegt, dass wir so viel Abstand zwischen unsere Ohren und Schultern bringen wie möglich und haben mit vielen Haltungen gearbeitet, die unsere Schlüsselbeine öffnen sollten. Uns wurde also bei jeder Stunde eingetrichtert, wie unsere Haltung idealerweise sein sollte und wie wir kleinere Übungen auch in unseren Alltag einbringen können. Ich kann nicht betonen, wie gut mir das getan hat. So. Verdammt. Gut. Ich hatte kaum Spannungskopfschmerzen und habe auch im Alltag immer mal wieder darauf geachtet nicht wie ein halbvoller Sack Mehl zu sitzen, sondern aufrecht mit den Schulten nach unten. Dieser ganze Haltungswechsel hat meine Lebensqualität rapide erhöht.

  1. Mein Energielevel ist gesunken.

Ende 2016 wurde bei mir eine Autoimmunkrankheit meiner Schilddrüse diagnostiziert. Der Fachbegriff lautet Hashimoto-Thyreoiditis (jep, das musste ich gerade googeln), was praktisch heißt, dass ich eine chronische Schilddrüsenunterfunktion habe, die irgendwann darin mündet, dass meine Schilddrüse komplett aufhört zu funktionieren. Da man Menschen mittlerweile mit Schilddrüsenhormonen gut einstellen kann, ist das gar kein großes Problem (auch wenn ich natürlich gern ein funktionstüchtiges Organ hätte). Das Problem ist eher mein Energielevel. Jeder der Probleme mit seiner Schilddrüse hat, kennt das wahrscheinlich. Ich kann immer schlafen. Zu (fast) jeder Uhrzeit. Ich fühle mich morgens oft wie erschlagen, obwohl ich 8 Stunden Schlaf hatte. Mittagsschlaf ist für mich manchmal die Rettung des Tages. Und so weiter und so fort. Egal wie gut ich mit meinen Medikamenten eingestellt bin. Mein Energielevel ist und bleibt ein Problem. Und Yoga hat mir dabei unfassbar doll geholfen. Ich fühlte mich ausgeruhter, hatte eine bessere Schlafqualität und dadurch ein viel besseres Energielevel. Außerdem konnte ich besser auf meinen Körper hören. Beim Yoga geht es nicht darum eine Pose möglichst grazil zu schaffen, um davon ein Bild für Instagram machen zu können, sondern darum im Kontakt mit seinem Körper und seiner Seele zu sein. Dadurch konnte ich besser herausfinden, was mein Körper braucht und ihm genau das geben.

  1. Ich hatte ein besseres Körpergefühl.

Beim Yoga bewegt man sich auf eine Art und Weise, wie man es im Alltag nicht tut. Man verrenkt und dehnt sich an Stellen, denen man vorher noch nie wirklich Aufmerksamkeit geschenkt hat. Und man bekommt Muskelkater an Stellen, die man vorher noch nie gefühlt hat. Dadurch konnte ich ein ganz anderes Körpergefühl entwickeln, als ich es jemals hatte. Beim Yoga hatte ich regelmäßig das Gefühl, dass meine Seele und mein Körper eine Einheit darstellen. Wenn man mal wieder in einer besonders anstrengenden Pose in die Bereiche atmen soll, die sich dehnen, denkt man anfangs, was zur Hölle man da eigentlich tut. Wenn man sich dann allerdings darauf einlässt, den Kopf ausschaltet, loslässt und einfach tief atmet, kommt man zeitweilig ein ganz wunderbar freies Gefühl. Du fängst an eine ganz andere Beziehung zu deinem Körper aufzubauen. Du fängst an deine Grenzen auszutesten und festzustellen, dass du sie mit Fingerspitzengefühl überwinden kannst. Du merkst was dein Körper alles tun kann, wenn du ihm gut zuredest und ihm vertraust. Du merkst ganz deutlich, dass du nicht weiterkommst, indem du deinen Körper zu irgendetwas zwingst. Du musst ihn liebe-, rücksichts- und respektvoll behandeln, um Ergebnisse zu sehen. All das und noch viel mehr kreiert ein großartiges Körpergefühl. Und ich kann nur jedem, der Probleme hat sich selbst zu lieben, empfehlen Yoga auszuprobieren und sich darauf einzulassen. Es kann nichts schlimmer machen, sondern nur besser.

Das waren fünf Punkte, die sich in den letzten drei Monaten bei mir verschlechtert haben und die ich nun wieder in Angriff nehme. Für mich ist Yoga eine ganz intime und persönliche Praxis. Für mich hat sie nur ganz wenig mit Ästhetik zu tun und viel mehr mit einem großartigen Lebensgefühl. Ich glaube, dass Instagram viele abschreckt Yoga überhaupt eine Chance zu geben. Es geht nicht um die ganzen Yoga-Posen, die du überall im Social Media Bereich zu sehen kriegst. Es steckt mehr dahinter. Und ich kann dir  nur ans Herz legen deine eigene ganz persönliche Beziehung dazu aufzubauen.

Wenn du schon Yoga praktizierst, dann würde mich deine Meinung dazu interessieren. Was magst du daran besonders? Wie siehst du Yoga im Bezug auf Social Media? Wie hat Yoga dir geholfen?

Namasté

Lucie

3 comments on “3 Monate ohne Yoga – 5 Punkte, die sich verändert haben!”

  1. Liebe Lucie,

    mir geht es ähnlich. Yoga hat mich bisher auch abgeschreckt, gleichzeitig jedoch durch die vielen positiven beschriebenen Erfahrungen immer interessiert. Ich fände es daher spannend zu erfahren, wie du angefangen hast. Hast du dir Videos/Tutorials angesehen oder einen Kurs belegt? Ich würde es gerne mal für mich ausprobieren, finde aber keinen richtigen Einstieg.

    Danke, für deine immer wieder tollen Beiträge!

    Liebe Grüße,
    Deborah

    • Ich habe es erst mit Youtube Videos ausprobiert (besonders der Kanal ‚Yoga With Adriene‘ ist super!). Allerdings fand ich es nicht gut mir Yoga sozusagen allein beizubringen, weil du eben nicht siehst ob du etwas falsch machst, nicht korrigiert wirst etc. Dann habe ich nach Yoga Kursen/Studios bei mir in der Nähe gesucht, allerdings waren die mir immer zu teuer. Als ich dann komplett aufgehört hatte Yoga zu machen, hab ich von jemandem gehört, dass Yoga Kurse von der Krankenkasse bezuschusst werden. Danach habe ich mich zu einem Einsteigerkurs angemeldet, den ich super fand. Und nach diesem Kurs haben meine Mutter und ich und zusammen ein Yoga Studio gesucht, um uns für monatliches Yoga anzumelden. Fazit für mich ist: Yoga ist zwar teuer, aber es definitiv wert. Für Einsteiger würde ich empfehlen einen Kurs zu besuchen, damit der Druck nicht so groß ist ab sofort jeden Monat bis zu 50 € zu bezahlen, ohne zu wissen, ob ihnen Yoga Spaß macht.

      Liebe Grüße 🙂

  2. Liebe Lucie
    Bis jetzt hat mich Yoga tatsächlich immer eher abgeschreckt. Nicht nur wegen all den perfekt posierten Instagrammbildern, sondern auch weil ich es für zu anstrengend gehalten habe. Dein Beitrag hat meine Meinung darüber geändert und ich hätte nie damit gerechnet, dass Yoga auch so viel Einfluss auf die Seele und die Selbswahrnehmung haben könnte. Jetzt werde ich es einmal ausprobieren, wenn du so viel gutes darüber schreibst. Ich bin schon gespannt 🙂 Für dich wünsche ich, dass du bald wieder zurück zu deiner inneren Ruhe findest und dass sich alles wieder „normalisiert“. Du bist mit deiner Einstellung ein wirklich bewundernswerter Mensch!
    Ganz liebe Grüsse aus der Schweiz,
    Alina

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