Seitdem ich ein Kind bin gehören Bücher zu meinem Leben. In der Grundschule habe ich mit meinen Freundinnen im Garten immer ‚Harry Potter‘ oder ‚DoReMi‘ (wer hat diese Serie auch so geliebt?) Rollenspiele gespielt. Ich habe ab und zu kleinere Geschichten geschrieben und bin mit zunehmendem Alter dann zu Fanfictions gekommen. So schrieb sich mein kleines Fangirl-Herz in Foren die Finger wund. Eine damalige Freundin und ich hatten irgendwann sogar unser eigenes Rollenspiel-Forum für die Rumtreiber-Generation des Harry Potter Fandoms. In dieser Zeit habe ich angefangen mich für Bildbearbeitung und den ganzen Programmierungs-Kram zu interessieren und war der Meinung irgendwann mal Grafikdesignerin zu werden. Später habe ich durch zahlreiche großartige Vorbilder dann auch angefangen Fanvideos zu erstellen und auf Youtube hochzuladen (nichts davon ist mehr online und das ist auch besser so :D). Ich muss ganz ehrlich sein – nichts davon war jemals wirklich gut. Aber ich konnte das Vertrauen gewinnen, dass ich mir solche Sachen selbstbeibringen kann, wenn ich will.

Bis ich im Herbst 2012 mein erstes Youtube-Video hochgeladen habe hat meine Kreativität rapide abgenommen. Ich habe kaum gelesen, mir war es wichtiger jede freie Sekunde mit meinem damaligen Freund zu verbringen und mit Freundinnen feiern zu gehen. Als diese Blase dann geplatzt ist war ich ziemlich unzufrieden, unglücklich und allein und habe mich wieder für meine Kreativität entschieden. Mein erstes Video ging online. Ich hatte es mit meiner Webcam aufgenommen und panische Angst, dass es irgendjemand entdecken könnte, der mich kennt. Von meiner Familie, meinen Freunden und meinem damaligen Freund habe ich damals keinerlei Unterstützung erhalten. Alle fanden es irgendwie komisch und haben nicht verstanden warum ich das machen wollte. Es war, ehrlich gesagt, ein unfassbar beschissenes scheiß Gefühl. Aufgehört habe ich trotzdem nicht.

Bis ich von anderen Menschen in meinem Umfeld auf meine Videos angesprochen wurde verging ungefähr ein Jahr. Auch da wurde sich über mich lustig gemacht und ständig gefragt warum ich das denn mache. Die Antwort „Weil es mir Spaß macht.“ habe ich irgendwann durch „Weil ich mit etwas das mir Spaß macht Geld verdienen kann“ ersetzt, da ersteres nie akzeptiert wurde. Es ist wirklich interessant zu sehen, dass Geld als Motivator allgemein akzeptiert wird, Spaß allerdings nicht. So richtig doll getroffen hat es mich allerdings nicht. Ich habe durch die ganze Community tolle neue Menschen kennenlernen können, die ab diesem Zeitpunkt zu engeren Vertrauten wurden, als viele Leute in meinem „echten“ Leben. Je mehr Abonnenten auf Youtube dazu kamen desto leiser wurden die negativen Stimmen. Trotzdem hatte ich große Probleme damit neuen Freunden zu erklären, dass ich dieses ungewöhnliche Hobby hatte, weil ich so an die negativen und abwertenden Reaktionen gewöhnt war.

Ich wurde immer besser im Videoschnitt, investierte in eine gute Kamera und ein gutes Objektiv und wurde immer zufriedener mit meiner Qualität. Schließlich wurde ich Partner im Netzwerk „Mediakraft“ (bevor das ganze Drama losging #Freiheit und so), hatte dadurch Zugang zu Workshops, habe die Business-Seite von Youtube erklärt bekommen und konnte noch mehr netzwerken. Ich war auf den VideoDays und habe Leute kennengelernt, die meine Videos gern geschaut haben (was jedes Mal so verrückt war!). Irgendwann habe ich anfangen meine Reichweite auch für Produktplatzierungen zu verwenden, meinen Content zu Büchern und Essen hin zu veränderen, musste plötzlich Rechnungen schreiben und Steuererklärungen ausfüllen. Zwischendrin habe ich meinen jetzigen Freund durch die Plattform kennen und lieben gelernt, mit dem ich bis vor fast einem Jahr eine Fernbeziehung geführt habe und nun zu ihm gezogen bin. Kurzum: Youtube hat mein Leben auf den Kopf gestellt und ich konnte dadurch so unglaublich doll wachsen, wie ich es sonst wahrscheinlich erst in ein paar Jahren (oder nie) getan hätte. Ich war nie groß auf dieser Plattform und trotzdem habe ich so viel dadurch erleben können und dafür bin ich unglaublich dankbar.

Trotzdem habe ich irgendwann gemerkt, dass das Ganze irgendwie nicht mehr zu mir passt. Ich habe mich mit Produktplatzierungen nicht mehr richtig wohlgefühlt. Hab meine Freude an der gesamten Videoproduktion verloren. Und irgendwie war in den letzten zwei Jahren so viel los in meinem Leben, dass ich mich von Youtube wegentwickelt habe.

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Ich hatte Angst, dass, wenn ich dieses Kapitel meines Lebens schließe, meine Kreativität auch verliere. Aber ich habe realisiert, dass das nicht wahr ist. Wenn ich mir so anschaue wie meine kreative Laufbahn bisher so war wird mir klar, dass meine Kreativität ein Teil von mir ist, der nicht verschwindet, sondern sich einfach verändert. Ich entdecke im Moment das Schreiben (wieder) für mich. Ich schreibe über die Gedanken in meinem Kopf und versuche für mich herauszufinden was genau ich davon mit der Welt teilen will und in welcher Art und Weise. Es gibt heute so viele Möglichkeiten. Ich hoffe, dass ich bald ein wenig Klarheit darüber haben werde. Bis dahin könnt ihr mich gern auf Instagram verfolgen, wo ich im Moment ein wenig aktiver bin und auf diesem Blog von Zeit zu Zeit Gedankenausbrüche lesen. Ich versuche das Chaos in meinem Kopf zu akzeptieren und mich dort durchzuarbeiten, hier und da Erkenntnisse zu gewinnen und Knoten zu lösen. Das hier ist jetzt allerdings erstmal die lang überfällige Erklärung zum ganzen Youtube-Thema. Ich hoffe ich konnte alles irgendwie verständlich rüberbringen.

Habt einen wunderschönen Tag und vielen Dank für eure Unterstützung

In Liebe

Lucie

3 comments on “Mein Abschied von Youtube”

  1. Toller Beitrag Lucie! 🙂
    Ich finde es super, dass du, obwohl du keine Unterstützung erhalten hast weiter gemacht hast und diese gesamten wundervollen Erfahrungen gesammelt hast! 🙂
    Du wirst deinen Weg schon finden, wie Adrienne so schön sagt „Everything is as it should be“ ♥️

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